🏳️🌈 Diversitätssensible Pflege für LGBTQ+-Personen: Wie Pflegefachkräfte eine inklusive Versorgung gestalten können
🧠 Was bedeutet diversitätssensible Pflege?
Diversitätssensible Pflege bedeutet, die individuellen Lebensrealitäten, Werte und Bedürfnisse von Patient:innen zu respektieren – insbesondere auch im Hinblick auf:
- Geschlechtsidentität
- Sexuelle Orientierung
- Partnerschaftsformen
- Körperbilder und Biografien
Laut Traister (2025) ist das Ziel nicht, „besonders anders“ zu pflegen, sondern eine Pflegepraxis zu schaffen, in der sich niemand verstecken oder erklären muss.
🩺 Besondere Bedürfnisse von LGBTQ+-Patient:innen in der Pflege
Viele LGBTQ+-Menschen haben im Gesundheitswesen negative Erfahrungen gemacht: Missachtung, Diskriminierung oder unfreiwilliges Outing gehören leider noch immer zur Realität.
Typische Herausforderungen:
- Fehlende Anredeformen (z. B. „Herr“/„Frau“ vs. gewählte Pronomen)
- Verunsicherung bei der Zimmerzuteilung (z. B. bei transidenten Personen)
- Intime Pflegesituationen ohne Vorgespräch
- Stereotype oder pathologisierende Annahmen
Pflegefachkräfte stehen hier in der Verantwortung, für eine Umgebung zu sorgen, die Sicherheit, Respekt und Offenheit vermittelt.
🤝 Was Pflegekräfte konkret tun können
1. Sprache bewusst und respektvoll wählen
Nutze inklusive Sprache und frage im Zweifel nach den gewünschten Pronomen und Namen. Frage nicht automatisch nach dem „Ehepartner“, sondern z. B. nach „nahestehenden Personen“.
2. Aufklärungsarbeit im Team anstoßen
Nicht jede Pflegekraft kennt sich mit queeren Themen aus – aber jede*r kann dazulernen. Tausche dich aus, initiiere interne Schulungen oder bring Fachliteratur ein, wie z. B. Traister (2025).
3. Institutionelle Strukturen hinterfragen
Gibt es in deiner Einrichtung:
- Anamnesebögen mit mehr als zwei Geschlechtern?
- Offenheit für Regenbogenfamilien in der Angehörigenarbeit?
- Fortbildungsangebote zum Thema Gender & Pflege?
Wenn nicht: Bring Veränderung in Gang.
4. Vertrauen durch Nähe und Professionalität
Für queere Patient:innen kann die Pflege eine besonders intime, verletzliche Situation darstellen. Eine achtsame, nicht bewertende Haltung schafft Vertrauen und Würde.
📖 Auszug aus Traister (2025)
„Pflege von LGBTQ+-Personen bedeutet nicht, alles zu wissen – sondern offen zu sein für das, was man noch nicht kennt.“
– Traister, T. (2025), Pflege von LGBTQ+-Personen
⚖️ Pflegeethik trifft auf Vielfalt: Haltung statt Meinung
Vielfalt ist keine Meinung – sie ist Realität. Die ethischen Grundprinzipien der Pflege (Würde, Autonomie, Fürsorge, Gerechtigkeit) fordern uns auf, jedem Menschen individuell gerecht zu werden, unabhängig von Identität, Herkunft oder sexueller Orientierung.
Diversitätssensible Pflege ist daher keine Zusatzaufgabe, sondern ein Ausdruck von Professionalität.
👥 Besondere Aspekte in der Altenpflege
In der gerontologischen Pflege treffen Pflegekräfte häufig auf queere Menschen, deren Lebensgeschichten von Unsichtbarkeit, Ausgrenzung oder Verheimlichung geprägt sind.
Wichtige Fragen:
- Wie spreche ich intime Themen respektvoll an?
- Was bedeutet es für eine ältere lesbische Frau, im Pflegeheim plötzlich auf Mitbewohnerinnen angewiesen zu sein?
- Wie kann ich queere Biografien sichtbar machen, ohne zu stigmatisieren?
Gerade im hohen Alter wünschen sich viele LGBTQ+-Personen Anerkennung, keine Erklärungspflicht.
🛠️ Handlungsempfehlungen für deinen Pflegealltag
Bereich | Empfehlung für Pflegekräfte |
---|---|
Kommunikation | Nach Namen und Pronomen fragen, inklusive Sprache nutzen |
Pflegedokumentation | Freitextfelder nutzen, neutrale Begriffe bevorzugen |
Teamarbeit | Fachwissen zu queeren Themen einbringen und reflektieren |
Pflegepraxis | Intimsphäre wahren, Wahlmöglichkeiten schaffen |
Einrichtungsebene | Strukturen inklusiv denken: Formulare, Schulungen, Räume |
💬 Fazit: Vielfalt braucht Pflege – und Pflege braucht Vielfalt
Diversitätssensible Pflege bedeutet, dass alle Menschen sich in ihrer Identität gesehen, respektiert und sicher fühlen können. Als Pflegekraft kannst du jeden Tag einen Unterschied machen – mit deiner Haltung, deinem Wissen und deinem Handeln.
Die Pflege von LGBTQ+-Personen ist nicht „besonders“, sondern besonders wichtig – weil sie Teil eines Systems ist, das für alle Menschen da sein muss. Ohne Ausnahme.
📣 Deine Perspektive zählt!
Wie gehst du mit queeren Patient:innen um? Wünschst du dir mehr Unterstützung im Team? Oder hast du positive Beispiele für eine inklusive Pflegekultur?
Teile deine Erfahrungen – anonym oder offen – mit uns!